Seid laut und traut euch!

In früheren Zeiten diente unsere Stimme unter anderem dazu, Raubtiere zu vertreiben. Historisch gibt es immer noch keine eindeutige Aussage darüber, ob zuerst gesprochen oder gesungen wurde! Heute noch ist das Weinen oder Schreien des Säuglings überlebenswichtig und signalisiert uns, dass es unsere Hilfe braucht.

Die Geschichte der Gesangstechnik entwickelte sich über die verschiedenen Epochen, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Durch die immer höher werdenden Anforderungen
der Komponisten entstanden auch immer mehr Kenntnisse und Möglichkeiten die Stimme als Ausdrucksmittel von Musik und Sprache wiederholbar zu gestalten.
In der Renaissance untersuchte Leonardo Da Vinci das Zusammenspiel von Kehlkopf, Stimmlippen und Atemführung, und bald entstanden ausgehend von Neapel die ersten Gesangsschulen.

Mit dem heutigen Wissensstand über die handwerklichen Fähigkeiten der Sing-und Sprechstimme kann es gelingen, dass jeder Mensch, unabhängig vom individuellen Grad der Begabung, eine
gute und positive Entwicklung seiner Stimme erleben kann. Das Singen, als Befreiung der Seele, als intimste und persönlichste Ausdrucksform, hat eine absolut positive Resonanz auf unsere Existenz. Jeder, der sich damit beschäftigen möchte, verdient höchsten Respekt!

Manchmal fehlt aber auch der Mut und das Vertrauen sich über seine Stimme zu äußern und sie wahrzunehmen. Singen ist im Grunde zunächst einmal klingende Ausatmung. Viele Menschen verlieren im Lauf ihres Lebens einen positiven und natürlichen Gebrauch ihrer Stimme. Dies hängt oftmals mit einer sehr flachen Atmung zusammen, die den Kehlkopf und das Zwerchfell ständig in die Höhe drückt, welches immer Auswirkungen auf unseren Stimmklang hat. Auf Dauer wäre dies für die Stimme zu anstrengend und sogar schädigend.

Es ist eine aufregende Reise sich mit den Entwicklungsmöglichkeiten der eigenen Stimme einmal zu beschäftigen, sei es zum Sprechen oder zum Singen!
Seid laut und traut Euch!!!

Andrea Bögel

E- und U-Musik

Ich selbst bin mit ganz unterschiedlichen musikalischen Farben und Stilistiken aufgewachsen, darum zählt für mich immer nur die Qualität und die Glaubwürdigkeit, mit der ein Musikstück musiziert wird und nicht die Tatsache, ob es ein klassisches Werk oder ein Hip-Hop-Titel ist. Ich finde es schade, dass es immer noch nicht gelungen ist, die sogenannte E-und U-Musik gleichwertig zu beurteilen. Ich hätte mir für Deutschland immer eine Art „Juillard-School“ gewünscht, in der Komponisten, Dirigenten, Sänger, Tänzer, Regisseure und viele Andere miteinander
arbeiten und sich gegenseitig inspirieren, unabhängig von jeder Kategorie.

Mein persönlicher Traum ist immer noch ein „House of Arts“, in dem alle künstlerischen Ausdrucksformen zusammen kommen, Maler, Bildhauer, Autoren, und alle Arten der darstellenden Künste!

Am Ende bleibt doch für jeden Künstler nur der momentane und sehr flüchtige Augenblick, in dem manchmal alles zu gelingen scheint und jeder, der zuhört oder diesen Moment teilt, sich in
wunderbaren Geschichten wiederfindet, ob in einem Chanson, in einer Arie, in einer Big Band-Nummer oder in einem gesprochenen Text.

Andrea Bögel

Gedanken und Tipps zum Thema Musicalauditions

Einige Gedanken und Tipps zum Thema Musicalauditions…
Aufgrund meiner langjährige Erfahrung auf beiden Seiten der Musicalbühne, als Künstler wie auch als Coach, möchte ich unbedingt dazu raten, auf den Punkt vorbereitet zu sein und die Inhalte der Rolle sowie des Stückes sehr gut zu kennen.

Wenn es sich um Anschlussbesetzungen handelt, sollte man sich zuvor über die bisherigen Besetzungen, welche die Bühnenfigur verkörpert haben, gut informieren. Denn in den meisten Fällen wird nach einem ähnlichen Spieltypen gesucht, das bedeutet, dass physische Erscheinung, die Stimmfarbe, Ausstrahlung sehr gut übereinstimmen sollten.
Erst dann entscheiden die künstlerischen Fähigkeiten aus gesanglichen, tänzerischen und schauspielerischen Elementen darüber, wie groß die Möglichkeit einer Besetzung wäre. Dieses Type-Casting wird international so gehandhabt, das muss man akzeptieren.

Bei einer Audition sollte man keine Experimente wagen, es sollten also keine Titel oder Monologe gewählt werden, die noch nicht wirklich ausgereift sind. Jede Form der Sicherheit bringt Freiheit und Souveränität.

Eher selten gibt es die Möglichkeit in einer Uraufführung eines Stückes mit einem Team gemeinsam eine Bühnenfigur ganz neu zu kreieren, und wenn doch, dann ist dies immer ein absoluter Glücksfall!

Andrea Bögel